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Postview Tracking – sinnvoll oder nicht?

von Michael Feike
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Postview Tracking ist ein Abrechnungsmodell, das in Deutschland seit 2008 im Affiliate Marketing eingesetzt und seitdem viel diskutiert wird. Dabei wird bereits eine Provision an den Publisher eines Affiliate-Werbemittels bezahlt, ohne dass der Nutzer es überhaupt angeklickt hat. Denn für die Provisionsauszahlung reicht es beim Postview Tracking  aus, dass dem Nutzer das Werbemittel, zum Beispiel ein Banner oder eine Anzeige, einfach nur eingeblendet wurde. In diesem Artikel erfährst Du, wie das Postview Tracking genau funktioniert und welche Vor- und Nachteile diese Methode hat.

Wie funktioniert Postview Tracking?

Beim Affiliate Marketing wird ein Werbe-Link oder ein Werbebanner eines Werbetreibenden auf der Website eines sogenannten Affiliates oder Publishers veröffentlicht. Beim klassischen Affiliate Marketing erfolgt die Bezahlung folgendermaßen: Wird der Link oder das Banner von einem Besucher der Website angeklickt, wird an den Publisher eine Provision ausgezahlt. Je nach Vereinbarung wird die Provision dabei in der Regel per Klick (Pay per Click = PPC), per Kundenkontakt (Pay per Lead = PPL) oder per Verkauf (Pay per Sale = PPS) fällig. Um nachvollziehen zu können, von welcher Website der Klick oder Lead kam, werden Cookies eingesetzt, die beim Klick auf den Werbe-Link oder das Banner beim Nutzer gesetzt werden.

Seltener zum Einsatz kommt das Postview Tracking. Bei diesem Auszahlungsmodell wird schon dann eine Provision fällig, wenn der Nutzer gar nicht aktiv auf den Link oder die Anzeige klickt. Hier werden sogenannte View-Cookies bereits dann auf dem Endgerät des Nutzers gespeichert, wenn dem Nutzer die Postview-Anzeige nur angezeigt wurde. Gleichzeitig wird ein sogenannter Conversion-Pixel auf Kundenseite angelegt. Besucht der betreffende Nutzer während der Laufzeit des View-Cookies später auf anderem Wege die beworbene Website des Werbetreibenden, so bekommt der Affiliate trotzdem eine Provision. Denn bei dem Besuch der beworbenen Webseite kann technisch ein Zusammenhang zwischen Conversion-Pixel und View-Cookie und damit eine Zuordnung zwischen Werbeeinblendung, Sichtkontakt und Nutzer hergestellt werden. Zusammengefasst wird beim Postview Tracking auf die passive Wahrnehmung der Werbung abgestellt, der Klick auf das Werbemittel verliert damit an Bedeutung.

Unser Beispiel: Ein Onlineshop für Anglerzubehör veröffentlicht eine Werbeanzeige auf einem Blog für Angelfreunde. Einem Blogleser wird diese Werbeeinblendung angezeigt, er klickt aber nicht darauf. Trotzdem wird bei ihm ein View-Cookie gesetzt. Abends besucht er den Onlineshop für Anglerzubehör und bestellt ein paar Angelhaken. Diese Aktion wird im Postview Tracking als indirekte Vermittlung gewertet und der Websitebetreiber des Anglerblogs bekommt eine Provision.

Postview Trackings versus Cookie Dropping

Das Postview Tracking wird häufig mit dem Cookie Dropping verwechselt. Dabei ist Cookie Dropping eine Betrugsform im Affiliate Marketing, während sauberes Postview Tracking ein normales Abrechnungsmodell darstellt. Beim Cookie Dropping wird neben dem View-Cookie immer auch ein Klick-Cookie beim Nutzer gesetzt, obwohl er den Werbelink gar nicht angeklickt hat. Beim Cookie Dropping werden Klicks sozusagen künstlich erzeugt und es werden bei dieser Betrugsmasche demnach mehr Klicks registriert – und müssen bezahlt werden –, als es eigentlich gegeben hat. Somit handelt es sich bei Cookie-Dropping um Internetbetrug, der aber nichts mit dem Postview Tracking selbst zu tun hat.

Vor- und Nachteile des Postview Trackings

Der Vorteil des Postview Trackings ist die hohe Reichweite. Dabei ist es jedoch wichtig, dass die Anzeige oder das Werbebanner tatsächlich auffällig gestaltet wird, damit überhaupt eine Wahrnehmung durch den Nutzer stattfinden kann. Ein reiner Textlink versteckt im Content ist für das Postview Tracking hingegen ungeeignet.

Der Nachteil ist, dass Postview Tracking sehr schlecht messbar ist. Denn selbst wenn dem Nutzer das Werbebanner tatsächlich angezeigt wurde, heißt das noch lange nicht, dass er es tatsächlich wahrgenommen hat. Zudem ist nicht nachvollziehbar, ob der Nutzer, bei dem ein View-Cookie gesetzt wurde und der später die Website des Werbetreibenden besucht, wirklich durch das Banner auf die Website aufmerksam gemacht wurde. Besonders kritisch muss dabei betrachtet werden, wenn ein Affiliate viele verschiedene Werbeeinblendungen auf seiner Website platziert. Denn dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass die eigene Anzeige tatsächlich wahrgenommen wird, nicht besonders hoch.

Unser Beispiel: Ein Angler liest einen Artikel in einem Anglerblog, wo ihm auch eine Werbeanzeige für einen Onlineshop für Angelzubehör angezeigt und ein View-Cookie bei ihm gesetzt wird. Einen Tag später ruft er den Onlineshop für Angelzubehör auf, weil sein Kumpel ihm die Seite empfohlen hat oder weil ein Werbebanner in einem Angler-Forum seine Aufmerksamkeit erregt hatte. Die Werbeanzeige des Shops hatte er im Blog gar nicht bemerkt. Trotzdem wird dieser Lead aufgrund des View-Cookies dem Blogbetreiber zugeordnet.

Das musst Du bei Postview-Tracking-Kampagnen beachten

Beim Postview Tracking wird immer eine individuelle Vereinbarung zwischen dem Werbetreibenden und dem Publisher geschlossen. Da das Postview Tracking anders funktioniert als andere Bezahlmodelle im Affiliate Marketing, muss besonders auf folgende Punkte geachtet werden:

1. Größe, Platzierung und Art des Werbemittels

Da beim Postview Tracking schon der reine Sichtkontakt als Transaktion gilt, muss sicher sein, dass der Nutzer die Werbeanzeige bzw. das Banner auch wirklich zu sehen bekommt. Deshalb sollte auf die Einhaltung einer bestimmten Mindestgröße des Banners und die Einblendung im Sichtbereich der Website („above the scroll“) geachtet werden.

2. Laufzeit der Cookies

Beim Tracking „Cost per Click“ sind Cookie-Laufzeiten von 30 bis 90 Tagen üblich. Beim Postview Tracking ist nach so langer Zeit von einem Zusammenhang zwischen der Werbeeinblendung und einem tatsächlichen Besuch der beworbenen Website nicht mehr unbedingt auszugehen. Deshalb wird beim Postview Tracking je nach Produkt mit Cookie-Laufzeiten von 1 bis 7 Tagen gearbeitet.

Fazit

Das Postview Tracking ist eine Abrechnungsform im Affiliate Marketing. Dabei blendet ein Publisher ein Werbemittel (Banner, Anzeige) für einen Werbetreibenden auf seiner Website ein. Dabei wird beim Post-View-Modell bereits der Blickkontakt mit dem Banner oder der Anzeige als Interaktion gewertet und ein View-Cookie auf dem Endgerät des Nutzers gesetzt. Besucht der Nutzer später die beworbene Website, wird eine Provision an den Publisher ausgezahlt. Dabei darf das Postview Tracking als Abrechnungsmodell nicht mit der Betrugsmasche des Cookie-Droppings verwechselt werden, wo in betrügerischer Absicht Klick-Cookies auf Endgeräten gespeichert werden.

Der Nachteil des Postview Tracking für den Werbetreibenden ist, dass die Werbeleistung nicht richtig messbar ist. Denn es ist nie sicher, ob der Nutzer durch die Anzeige zum Besuch der beworbenen Website inspiriert wurde oder durch andere Impulse. Die Vorteile des Postview Trackings für den Werbetreibenden sind, dass die Reichweite gegebenenfalls sehr hoch sein kann und dass eine Provisionszahlung nur bei erfolgter Transaktion erfolgt.

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